Stahlbeton ist der Baustoff, der weltweit am meisten verwendet wird. Durch die Zementproduktion verursacht er aber CO2-Emissionen. Markus Vill, Leiter des Forschungszentrums Bauen und Gestalten, setzt deshalb auf digitales Bauen und das 3D-Betondruckverfahren, um Ressourcen effizienter zu nutzen und Emissionen zu reduzieren.
Markus Vill: Im ersten Betondruck-Forschungsprojekt 3CPO haben wir die Grundlagen geschaffen. Wir haben die 3D-Betondruckanlage, eine sogenannte additive Fertigungsanlage für Beton bzw. Mörtel mit und ohne Faserbewehrung entwickelt und aufgebaut. Die Robotik-Anlage verwenden wir auch jetzt beim zweiten, technisch noch anspruchsvolleren Forschungsprojekt.
Im ersten Projekt haben wir die Technologie der automatischen Fertigung im Betonbau implementiert, Testkörper erstellt und kleinere Bauteile für Wände hergestellt. Jetzt, beim Forschungsprojekt C3PRO – Concrete 3D Printed Reinforced Objects, geht es um größere Betonbauteile oder Deckenelemente, die Biegebeanspruchung aushalten müssen. Diese werden z.B. bei Deckensystemen von Wohn- und Industriebauten eingesetzt.
3D-Betondruck hat insgesamt zwar eine große Druckfestigkeit, aber nur ein Zehntel der Zugfestigkeit. Das ist wie herkömmlich hergestellter Beton. Wie erreichen wir nun die Zugfestigkeit? In die größeren und längeren Betonteile werden Zugelemente, sogenannte Bewehrungen, eingebaut. Wir verwenden klassische Betonstähle oder Faserverbundwerkstoffe aus Carbon, Basalt oder Glasfasern. Um sie herum wird der Beton gedruckt. So entsteht die Eigenschaft beim 3D-Betondruck, Zugkräfte übernehmen zu können.
Wir setzen bei den 3D-Betondruck-Projekten auf automatisiertes Bauen. Das wird in der klassischen Industrie, z.B. in der Fahrzeugindustrie schon längst gemacht.
Für den Betondruck wird ein Industrie-Roboter mit einem sieben Meter langen Schienensystem eingesetzt. Den Roboter haben wir ja bereits im ersten Betondruck-Forschungsprojekt aufgebaut. Der Roboter wird auf die genauen Formen programmiert und trägt dann den Druckmörtel Schicht für Schicht auf.
FH-Prof. DI Dr. techn. Markus Vill
Leiter Forschungszentrum Bauen und Gestalten
Materialeinsparung und Effizienz. Die Herausforderung der Baubranche ist, weniger Material zu verbrauchen und gleichzeitig den steigenden Erfordernissen an Wohnraum und Infrastruktur gerecht zu werden. Und hier kann nun der 3D-Betondruck zum Einsatz kommen mit unglaublichem Potenzial zur Ressourcenschonung. Sie müssen sich vorstellen: „Bei einem Bauteil, das im Betondruckverfahren hergestellt wird, können wir die Hälfte, manchmal sogar bis zu zwei Dritteln des Materials einsparen.“
Unser Ziel ist, die Grundlagen für die Anwendung 3D-gedruckter Stahlbetonbauteile in der Baupraxis zu schaffen und neue Wege für eine nachhaltige Bauproduktion zu eröffnen.
Das stimmt. Wir führen das Projekt „3D-Betondruck für biegebeanspruchte Betonbauteile“ in Kooperation mit der Technischen Universität Wien und der Österreichischen Bautechnik Vereinigung durch. Und wir haben mehr als 25 hochrangige Partner*innen aus der Bauindustrie und öffentlichen Auftraggeber*innen, die das FFG-Forschungsprojekt unterstützen.
Ja, es sind Studierende der Bachelor- und Masterstudiengänge Bauingenieurwesen – Baumanagement im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten an unserem Forschungsprojekt beteiligt. Sie unterstützen die Projektarbeit aktiv und wirken an der Weiterentwicklung der 3D-Betondrucktechnik im Bauwesen mit.
Forschungszentrum Bauen und Gestalten
Markus Vill an der HCW
Forschungsprojekt “C3PO – Concrete ! 3D Printed Objects”
Forschungsprojekt "C3PRO – Concrete 3D Printed Reinforced Objects"
Bachelorstudium Bauingenieurwesen - Baumanagement, berufsbegleitend
Bachelorstudium Bauingenieurwesen - Baumanagement, Vollzeit
Masterstudium Bauingenieurwesen – Baumanagement berufsbegleitend
Fragen der Zeit